20.01.2014

Stellungnahme zum BZ-Artikel „EEG-Anlagen treiben Strompreise hoch“ vom 10. Januar 2014

Zu Recht bemängelt Herr Kauffelt in seinem Artikel die Strompreiserhöhung der Stadtwerke Borken zum Jahreswechsel um 7% – bei einem durchschnittlichen Anstieg der Strompreise von 3,5% eine saftige Erhöhung. Da stellt sich der Stromkunde – ebenfalls berechtigt – die Frage: wo kommen denn diese Mehrkosten her?

Für die Stadtwerke ist der Fall klar: die Energiewende ist der Kostentreiber. Die Stadtwerke Borken müssen ungleich mehr in den Netzausbau investieren als bspw. Stadtwerke XY im Ballungsraum Ruhrgebiet. Denn die Stadtwerke müssen dem Erzeuger die Möglichkeit bieten, seinen Strom ins Netz einspeisen zu können, was hier im Kreis, der sich zu Recht rühmt, mit einem Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtstromverbrauch von 43 Prozent landesweit vorn zu liegen, erheblich mehr kostet als im städtischen Raum. Diese Kosten holen sie sich über die gestiegenen Netzentgelte zurück.

Soweit, so gut – nur, was haben die Energiewende und das EEG damit zu tun? - Wenig, denn wer genauer hinsieht, wird schon auf der Internetseite der Stadtwerke fündig. Eine stadtwerkeeigene Grafik zeigt die Zusammensetzung des Strompreises 2013:
der Verbraucher zahlt nicht nur für die Energielieferung im eigentlichen Sinne, sondern muss weitere Abgaben leisten. Ca. 70% der Kosten sind nicht vom Stromversorger beeinflussbar, da staatlich reguliert und für jeden möglichen Wettbewerber gleich (50% für Steuern und Abgaben, darin enthalten die EEG-Umlage, 20% für regulierte Netzentgelte), die restlichen 30% des Strompreises jedoch entstehen im Wettbewerb und können so erheblich variieren (Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb).

Vergleicht man diesen variablen Preisanteil des Strompreises landesweit liegen die Stadtwerke Borken zu Beginn 2014 mit 355,17 € knapp unter dem NRW-Durchschnitt mit 359€. Unsere Nachbarn in Raesfeld und Velen als RWE-Kunden haben es nicht so gut getroffen und zahlen mit 399,02€ deutlich mehr pro Jahr. Dass es auch anders geht, zeigen Stadtlohn, Südlohn, und Vreden, denen die SVS Stadtlohn nur 297,56€ berechnen.

In der EEG-Umlage können diese Unterschiede nicht begründet liegen: Der Anstieg der EEG- Umlage von 2013 auf 2014 um knapp 1 Cent /kWh ist für alle Stromunternehmen gleich1.
Die Stadtwerke Emmerich fangen beispielsweise diese Mehrkosten selber auf und geben sie nicht an ihre Kunden weiter – sie kompensieren die EEG-Umlagenerhöhung durch günstige Einkäufe an der Strombörse und mehr Personaleffizienz- so möchten sie auch Kunden, die zu Billiganbietern abgewandert sind, zurückholen.
Der Ökostromanbieter Lichtblick beispielsweise senkt zu 2014 sogar die Preise für seine Kunden und begründet diesen Schritt mit niedrigeren Einkaufspreisen für Strom an der Börse: Der Börsenstrompreis fällt seit Mitte 2011 kontinuierlich, da der viele Alternativstrom das Gesamtangebot erhöht hat und somit den Strompreis an der Börse gesenkt hat – nicht zuletzt dank des stetig zunehmenden Angebots an Strom aus Sonne und Wind.

Da fragt sich der findige Stromkunde: geben die Stadtwerke Borken diese sinkenden Beschaffungskosten nicht an ihre Kunden weiter, die Mehrkosten für die Ökostromvergütung dagegen schon – oder kaufen sie gar ihren Strom falsch ein?

1 In der vierjährigen Regierungszeit von CDU und FDP hat sich diese EEG-Umlage fast verfünffacht, da die alte Regierung immer mehr Industriesubventionen auf die nicht privilegierten Stromverbraucher abwälzte: Die Unternehmensprivilegien haben einen Anteil von 30% oder 0,34 Cent am aktuellen Anstieg der EEG-Umlage um 1 Cent, der zusätzliche Ausbau der Erneuerbaren Energien nur einen Anteil von 0,15 Cent.

Diesen und anderen Fragen und Mythen um die Energiewende möchten wir auf den Grund gehen und laden daher alle Interessierten herzlich zu einer Diskussionsveranstaltung mit Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Udo Sieverding, Bereichsleiter Energie der Verbraucherzentrale NRW und Andreas Schwarze, Geschäftsführer der Stadtwerke Borken ein. (Termin und Ort folgen)

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